Bericht 2019

BERICHT 18. MHK 2019  
Maximilian I.
– „ain sonder liebhaber der perkwerch“
18. Montanhistorischer Kongress
vom 25. bis 28. September 2019

„Bergbau & Maximilian I. – ,ain sonder liebhaber der perkwerch’“ lautete das Thema des von den drei Alttiroler Bergbaustädten Schwaz, Hall und Sterzing vom 25. bis 28. September 2019 veranstalteten 18. Internationalen Montanhistorischen Kongresses. Die Tagung stand damit ganz im Zeichen des Gedenkens an Maximilian I. 


Vier Tage lang drehte sich in Schwaz, Hall, Sterzing und Ridnaun alles um den berühmten Habsburger sowie den Bergbau und dessen Bedeutung für ganz Europa und darüber hinaus. 

Die Eröffnung begann am Mittwoch, 25. September 2019, um 18.30 Uhr in Schwaz mit dem von der Knappenmusik begleiteten Anmarsch der Mitwirkenden vom Rathaus zur Franziskanerkirche. Dort begrüßte Bürgermeister Hans Lintner die Anwesenden und eröffnete die Tagung. Gleich am Beginn zeigte sich, dass der Kongress tatsächlich „für jedermann“ gemacht war. Das Publikumsinteresse war einmal mehr überzeugend groß und blieb es auch an den anderen Veranstaltungsorten. Über 500 Interessierte überzeugten sich, dass die international anerkannten Fachgrößen aus Deutschland, Italien, aus der Slowakei, Ungarn und Österreich ihr fundiertes Wissen packend und leicht verständlich darzustellen wussten. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Hans Lintner lieferten sich Maximilian I., der Georgenberger Abt Conradus und P. Christoph, der Obere der Franziskanerprovinz Österreich, eine heftige, vom „theater wortauftritt“ gekonnt in Szene gesetzte Diskussion zur Frage, wozu Schwaz im frühen 15. Jahrhundert ein Franziskanerkloster brauchte. Den Text dazu verfasste Dr. Wolfgang Ingenhaeff-Berenkamp, der – seit nunmehr 18 Jahren – auch für die Konzeption und Organisation des Kongresses verantwortlich zeichnet. Dem Streitgespräch folgte als zweiter Höhepunkt die Uraufführung des Schwazer Schwerttanzes. Die Trachtenvereine Almrausch Sölleite und Alpler Schwaz setzten unter Christian Haidacher neue Impulse in der Brauchtumspflege und erweckten einen alten Knappentanz zu neuem Leben. Ingenhaeffs Absicht, Wissenschaft und Volkskultur zu gegenseitiger Befruchtung zu verbinden, ist einmal mehr bestens gelungen.  

Am Donnerstag, 26. September 2019, tagte der Kongress ab 8.30 Uhr in der Alten Ratsstube des Sterzinger Rathauses. Die Kongressorganisation blieb damit dem Grundsatz treu, dass eine der veranstaltenden Städte Hauptveranstalter ist und die anderen Orte mit einer Tagungseinheit besucht werden. Der Transport der Referenten und Interessierten erfolgte nicht mehr in Privatautos, sondern per Bus. Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Fritz Karl Messner standen Bergwerke und Schulden, Maximilians Regelungen für die Nutzung der Wälder, die Geschichte der Gesellschaft Fugger-Thurzo und der Bergbau in Ostmitteleuropas zur Zeit Maximilians im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen. Am Nachmittag verlagerte sich das Geschehen in das Südtiroler Museum Bergbau, Standort Ridnaun. Dort standen der Bergbau im Tauferer Ahrntal zur Zeit Maximilians, Maximilian und Jakob Fugger sowie der Thurzo-Kodex als Quelle zur mitteleuropäischen Montan- und Münzgeschichte um 1500 zur Diskussion.

Am späten Nachmittag versammelte sich der Kongress um 17.30 Uhr beim Gradierwerk neben dem Kurhaus in Hall zur überaus informativen und kurzweiligen Stadtführung „Maximilian I. und sein Bezug zur größten Altstadt Tirols“. Um 19 Uhr spielte die Salinenmusik Hall im Innenhof der Burg Hasegg auf. Nach der Begrüßung durch Halls Vizebürgermeister Werner Nuding wartete „Kaiser Maximilian persönlich“ mit großen Neuigkeiten an die 1501 erfolgte Besserung des Wappens der Salz- und Münzstadt auf. Im Behaimsaal folgten Erläuterungen zu Knappentänzen und deren Verwandte, zu den Reformbestrebungen im ungarischen Salzwesen zu Beginn des 16. Jahrhunderts und zum Silbergeldmangel der kleinen Leute im Bergsilberland Tirol. Den Abend beschloss die Bindertanzgesellschaft Hall im Innenhof der Burg Hasegg mit dem Fackeltanz.

Am Freitag, 27. September 2019, trafen sich die Teilnehmer um 8 Uhr im BORG Schwaz, wo die Themen Maximilian und die Franziskaner in Schwaz, die Bergknappenbruder-schaft in Persen und Bergbaurechnungen zur Zeit Maximilians I. behandelt wurden. Anschließend gab Stanislav Manca mit der Präsentation seines Zwei-Stunden-Films „Wege des Kupfers. Auf den Spuren des Kupfers aus dem Schiffswrack Bom Jesus“ faszinierende Einsichten in die Geschichte des Bergbaus im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit. Der Film schildert in sensationellen Bildern das Schicksal des portugiesischen Segelschiffs „Bom Jesus“, das im Jahr 1533 mit etwa 250 Personen an Bord in einem Unwetter vor der Küste Namibiens gesunken war. Im vor etwa zehn Jahren entdeckten Schiffswrack wurde neben Goldmünzen und anderen Wertsachen eine große Menge Kupfer aus der heutigen Slowakei und aus Schwaz (!) gefunden. 

Nach einem unter den Themen „Maximilian und Hall in Tirol“ und „Im Dienste des Kaisers: Florian Waldauf Ritter von Waldenstein“ stehenden Besuch im Haller Stadtmuseum folgte im Behaimsaal der Burg Hasegg um 18 Uhr der nächste Vortragsblock, wobei die Rolle der Tiroler Bergwerke für Maximilians Weltpolitik, Maximilians Beziehung zu Hall, die Besitzungen der Fugger in Hall und der Geschützguss unter Maximilian zur Diskussion standen.

Am Samstag, 28. September 2019, ging der Kongress ab 8.30 Uhr mit den abschließenden Veranstaltungen in Schwaz zu Ende. Im Mittelpunkt standen Maximilian als Gesetzgeber in Bergwerksangelegenheiten, Maximilian und die Silberstadt Schwaz, das Blaue Haus und die Beziehungen zwischen Maximilian und Niklas Firmian sowie das „moderne“ Recht im „Codex Maximilianeus“, der Schwazer Bergordnung. In ihr finden sich modern anmutende arbeits- und sozialrechtliche Bestimmungen (z. B. 8-Stunden-Schicht und Krankenversorgung). Die neu gestaltete Gedenkarkade im Stadtpark weist darauf hin, dass die Schwazer Bergordnung 300 Jahre vor der Französischen Revolution die „Gleichheit vor dem Gesetz“ formulierte (siehe Abb.). Der Kongress schloss unter dem Geläute der Maria Maximiliana, der größten Glocke von Schwaz.

Hall in Tirol
Share by: